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DER WALD VOR OMAS FENSTER
NAK | Neuer Aachener Kunstverein

Vernissage
14.03.2020 | 19:00
15.03.2020 - 03.05.2020

Timur Lukas bildet in seiner Serie von großflächigen Malereien den Eindruck von Natur aus vergangen Tagen ab. Die eigenen Kindheitserinnerungen des Künstlers – wie es der Ausstellungstitel bereits vermuten lässt gespeist aus Besuchen bei seiner Großmutter – werden auf einige wenige, starke Bildfragmente reduziert: Fenster, Treppen, Vasen, Bäume. Diese subjektiv geprägte und ergo zeitlich als auch bildlich verzerrte Rückbesinnung findet auf der Leinwand als Quintessenz dieser Relikte statt. Größen und Formen verspringen infolgedessen, schaffen gerade daraus aber bestmöglich erinnerte Fiktion als klare Gewissheit. Die Kategorie von echten und falschen Erinnerungen sowie deren emotionale Besetzung lässt Lukas den Betrachter stets nur erahnen.

Lukas Arbeiten strahlen dabei geradezu in farblicher Vielfalt, positiv besetzte, beizeiten berauschend übersteigerte Natur, mit lockerem Pinselstrich in Öl und Sprühfarbe auf die Leinwand gebracht und dennoch en detail zu benennen, wenn auch gänzlich nicht als dokumentarisch misszuverstehen: Schafgarbe, Craspedia und Mohn. Wie in früheren Werken gesteht Timur Lukas weiterhin jeder Farbe ihre Fläche zu, doch es staffeln sich die Ebenen, schichten sich die Übermalungen, gleichwohl werden die ausgeführten Figuration eindeutiger lesbar. Ein Fiebertraum der Erinnerung.

In den realen Ausstellungsraum des Kunstvereins transferiert Lukas die autobiographisch geprägten Eindrücke in Gestalt von weiß lackierten und in ihren Proportionen frei modellierten Vasen aus Gips sowie einem Ausstellungsdisplay. Die fragilen Gebilde tragen getrocknete Blumenarrangements, das Display doppelt als Präsentationsfläche und Naturreminiszenz.

Die Erinnerung ist keine fixierte, komplette Repräsentation des Geschehens, sondern vielmehr ein fragmentarisch zusammengesetztes Bild. Formbar, gerade im Moment des Erinnerns, ein universaler Gedanke, dem Betrachter und Künstler gleichermaßen vertraut. Malerei als Fenster, weniger Ausblick denn Einblick, immer Wahrheit.